Clubabend: Chirurgie am Rande des Machbaren – mit Interplast e.V. in Sierra Leone

Unter unvorstellbaren örtlichen Bedingungen operieren die ehrenamtlich tätigen Ärzte von Interplast Menschen mit zum Teil schwersten Verletzungen und Entstellungen. Dr. Kaminski zeigte bewegende Fotos ihres jüngsten Einsatzes in Sierra Leone. Foto: Heckert

Am heutigen Abend begrüßten wir zum bereits zweiten Mal Dr. Theresa Kaminski im Café Life. Hatte sie uns im vergangenen Jahr in das Thema Wiederbelebung eingeführt, stellte sie uns nun in ihrem Vortrag „Medizin am Rande des Machbaren? Einsatz Sierra Leone“ die Arbeit der gemeinnützigen, weltweit agierenden Organisation Interplast vor. Bei Interplast helfen Mediziner Menschen mit angeborenen oder erworbenen Defekten in Entwicklungsländern durch plastisch-chirurgische Operationen. 1980 auch für Deutschland gegründet, gibt es in hierzulande inzwischen zwölf Sektionen – Dr. Kaminski ist für den Bereich Eschweiler tätig.

Die Homepage des Vereins sagt: „Humanitäre Chirurgie bedeutet Hilfe für Menschen mit schweren Entstellungen nach Unfällen, Verbrennung oder Krieg, Kinder mit angeborenen Fehlbildungen im Gesicht und an den Händen sowie Patienten mit großen Hauttumoren oder nicht heilenden Wunden. Hier sind wir von Interplast gefordert, unser Bestes zu geben. Die Mitglieder der Operationsteams sind Spezialisten, die gezielt dort eingesetzt werden, wo hoch entwickelte Hilfe noch nicht vorhanden ist. Sie engagieren sich unentgeltlich, in der Regel während ihrer Urlaubszeit. In vielen Einsätzen rund um die Welt haben sie unzähligen schwer entstellten Kindern durch eine plastische Operation geholfen. Durch die Hilfe vor Ort werden bei den einheimischen ÄrztenKenntnisse vermittelt, so dass sie manche Probleme künftig selbst lösen können.“

Dr. Kaminski berichtete von ihrem jüngsten mehrwöchigen Einsatz in Sierra Leone, einem Land mit einem Anteil von Unter-18-Jährigen an der Bevölkerung von 42 Prozent und niedriger Lebenserwartung. Die gesamte Ausrüstung für die Operationen wurde von den Medizinern dabei in Koffern aus Deutschland mitgebracht. Von Freetown aus ging es fünf Stunden in die Stadt Kenema. Im dortigen staatlichen Government Hospital gibt es ganze zwei Ärzte, die Ausstattung ist rudimentär oder defekt, die hygienischen Verhältnisse unsäglich.

Bewegte mit ihren Schilderungen des Einsatzes im von Bürgerkrieg und Ebola zerrissenen Land Sierra Leone: Dr. Theresa Kaminski. Foto: Heckert

Nach einem ersten Screening erhielten die für Behandlungen ausgewählten Patienten Berechtigungskarten. Angesichts des immensen Andrangs konnten leider nicht alle der zum Teil schwerst gezeichneten Betroffenen eine solche Karte erhalten. Alleine 90 Menschen mussten auf das nächste Mal vertröstet werden.

Trotz der für europäische Standards unvorstellbaren örtlichen Verhältnisse wurden die Operationen durchgeführt, wie Dr. Kaminski an einigen Beispielen bildhaft zeigte. In für unsere Vorstellungen nicht fassbaren Fällen konnte geholfen werden. Die Dankbarkeit der Patienten war bewegend. Im Anschluss an den Vortrag beantwortete Dr. Kaminski noch viele Fragen.

Im Anschluss an den Vortrag beschloss der Clubvorstand spontan, die Arbeit von Interplast durch eine Geldspende zu unterstützen (das Spendenkonto des Vereins ist im übrigens auf der Homepage zu finden). Hierüber werden wir noch gesondert berichten.

(Text: Max Grahn)

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